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Foto: Stefan Determann

"Die Würde des Menschen ist unantastbar!" - überhaupt nicht selbstverständlich

Gedanken zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember von Pfarrer Dr. Reinhard Kees aus dem Löwenberger Land

Advent heißt nicht: Wir machen es uns gemütlich und die Welt bleibt draußen. Nein, die Welt kommt in den Blick, die Menschen kommen in den Blick, wenigstens bei Gott und vielleicht auch bei uns mit den Augen Gottes.
Und so ist es gut, dass der 10.Dezember immer in der Adventszeit liegt. Es ist der Tag der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich!“ „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Es hat in der Geschichte der Menschheit lange gedauert, bis diese Werte rechtsverbindlich und universal verkündet wurden. Die frommen Pilgerväter, die vor der kirchlichen Enge des europäischen Kontinents geflohen waren, hatten diese christlichen Grund-Ideen mit in die neue Welt getragen. In der Unabhängigkeitserklärung der USA wurden die Menschenrechte zum ersten Mal allgemeingültig und verbindlich formuliert. Leben, Freiheit und das Streben nach Glück stehen jedem Menschen zu. Von dort sind sie in die alte Welt zurückgekommen. Das war zur Zeit der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Aber leider wurde sie sofort wieder korrumpiert.
Erst aus dem Grauen zweier Weltkriege hatten die Völker gelernt. Sie gründeten die Vereinten Nationen und verkündeten am 10.Dezember vor nunmehr 44 Jahren die Menschenrechte.

Uns sind diese Werte hoch und heilig. Wir genießen - hier und heute - die individuellen Freiheitsrechte: Gedanken- und Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, den staatlich garantierten Schutz vor Sklaverei, Leibeigenschaft, Folter und grausamer, erniedrigender und unmenschlicher Behandlung oder gar Bestrafung. Sie sind ganz normal.

Das sind sie aber leider nicht für alle, nicht hier bei uns und erst recht nicht weltweit. Das hören wir fast täglich: Katar, Iran, China, Afghanistan. Die Reihe ließe sich ziemlich lang fortsetzen bis wir bei uns ankommen.
Universal, überall, zu allen Zeiten und ohne Vorbedingungen sollen die Menschenrechte gelten. So hat es die Vollversammlung der Vereinten Nationen 1948 verkündet. Alle Mitgliedsländer haben das unterzeichnet. Darum könnte man sich eigentlich in allen Mitgliedsstaaten der UNO auf die Menschenrechte berufen. Aber in vielen Ländern ist das gefährlich.

Überall auf der Welt werden die Menschenrechte verletzt - mal mehr, mal weniger, mal offensichtlich, mal ganz subtil. Genauer gesagt: es werden Menschen verletzt in ihrer Würde, in ihrer Freiheit, in ihrem Recht auf Leben, Gesundheit und Bildung, Streben nach Glück.

Menschen werden noch immer eingeteilt nach Hautfarbe, Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, Status, Besitz, Popularität, Fähigkeiten und Leistung, Ansehen. Und so werden Menschen ausgegrenzt. Sie werden in Schubladen gesteckt, mit Vorurteilen behaftet. Menschen werden ausgebeutet, werden zur Ware gemacht. Menschen werden mit Füßen getreten, vertrieben, vergewaltigt, gefoltert und ermordet.

Menschenrechte sind alles andere als normal und selbstverständlich. Darauf gilt es immer wieder hinzuweisen, und sei es mit einer kleinen, bunten Armbinde beim Fußball. Es hätte sich gelohnt, dafür Nachteile in Kauf zu nehmen. Andere Menschen riskieren viel mehr, wenn sie sich für Menschenrechte einsetzen: Freiheit, Gesundheit, Leib und Leben.

Pfr. Dr. Reinhard Jakob Kees
auch auf Youtube als Online-Andacht
erstellt von Stefan Determann am 09.12.2022, zuletzt bearbeitet am 14.01.2023
veröffentlicht unter: Andachten 2022

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