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Das darf doch nicht wahr sein!

15.04.2022 | Gedanken zum Karfreitag von Pfarrerin Juliane Lorasch aus Gutengermendorf

Das darf doch einfach nicht wahr sein! Mit ausgestreckten Armen hängt er da am Kreuz. Den Kopf gesenkt. Tot. Einfach unfassbar. So sehr, dass der Vorhang im Tempel zerreißt, der Boden ins Wanken gerät und Abgründe sich auftun.

Karfreitag ist Erinnerung an den Tod Jesu und gleichzeitig an die Abgründe unserer Welt. Was tun Menschen sich nicht gegenseitig alles an. Was müssen Menschen nicht alles erleiden. Mit Jesus am Kreuz hält Gott uns die Abgründe und das Leid dieser Welt vor. All das, was nicht wahr sein kann, aber es doch leider ist, wird so sichtbar für die ganze Welt.Niemand soll weggucken. Das darf doch einfach nicht wahr sein! Das kann man nicht einfach so hinnehmen. Gott will, dass wir nicht wegschauen, sondern hinsehen wie er es tut.

Das Kreuz ist vielleicht der Ort der Menschenverlassenheit aber nicht der Gottverlassenheit. Denn genau da ist Gott. Auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders aussieht. Auch wenn wir es nicht sehen können. Vielleicht kann man das auch gar nicht sehen, sondern nur glauben wie der Hauptmann unter dem Kreuz es geglaubt hat. Glauben und anglauben gegen die Logik des Sichtbaren und alle weltlichen Abgründe, anglauben gegen alles, was so eindeutig erscheint.

Die Erde bebt und Abgründe tun sich auf. Einfach unfassbar. Aber fassungslose Menschen lassen sich von Gott bewegen. Damals am ersten Karfreitag und heute wieder hält Gott uns das Kreuz vor und all das Leid unserer Welt. Damit wir glauben, dass es nicht gottverlassen ist. Damit es auch nicht bei der Menschenverlassenheit bleibt, damit wir aufstehen gegen den Tod und vom Leben reden, indem wir in die Welt rufen: Das darf doch einfach nicht wahr sein!
Die Video-Meditation zu den Karfreitag-Gedanken
begleitet von Bildern aus dem Kirchenkreis und dem Choral "O, Haupt voll Blut und Wunden (EG 85), gesungen von Christian Volkmann (Tenor)
erstellt von Stefan Determann am 14.04.2022, zuletzt bearbeitet am 14.01.2023
veröffentlicht unter: Andachten 2022

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