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1. Jesus im Garten Gethsemane (vgl. Matth. 26, 36-46 und Luk. 22 ,43-44)
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1. Jesus im Garten Gethsemane (vgl. Matth. 26, 36-46 und Luk. 22 ,43-44)

Gedanken von Pfarrer Ralf-Günther Schein

Wir sehen auf diesem ersten Bild, wie Jesus mit ängstlichem Gesicht vor einer Höhle kniet. Er schaut in den Himmel. Die Arme sind weit ausgebreitet, als deute sich darin schon das Kreuz an. Die Dreieckform zwischen Gewand und erhobenen Armen erscheint aber ebenso wie ein Kelch. In der , von manchen als pathetisch bezeichneten Haltung Jesu spiegelt sich, meine ich, dennoch Ergebenheit in den Willen Gottes. Jesus betet: „Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht wie ich will, sondern wie DU willst.“ (Matth. 26, 39)
Die Dunkelheit, die neben Jesus aus der Höhle „steigt“, kann hier ein Ausdruck für die Angst sein, die ihn befällt, die nicht von seiner Seite rückt. Es ist die Höhle des Todes, die geradezu nach seiner Rechten greift und die er aushalten muß, für uns und mit uns.
Über der linken Hand Jesu sehen wir belaubte und mit Leben „beladene“ Bäume.
Hier ist also ein Ort zwischen Tod und Leben, an dem Jesus kniend mit seiner Angst ringt und dennoch Hoffnung sich ankündet.
Über der Höhle des Todes kommt ihm der Himmel ein Stück näher. Eine Wolke mit drei kleinen Engeln erscheint ihm. Das Matthäus- und Markusevangelium kennt in Gethsemane keine Engel. Nur Lukas erzählt, daß ein Engel erschien und Jesus stärkte. L.Cranach lässt drei Putten erscheinen. (Putten haben für den Künstler also nicht nur etwas Spielerisches, wie auf manchen Weihn.-Bildern.) Der erste Putto bringt den Kelch, „der nicht vorübergeht“. Der Zweite zeigt das Kreuz, das Jesus nicht erspart bleibt, und der dritte kleine Engel macht eine grüßende und ermutigende Handbewegung.
(Dahinter die kursächsischen Wappen, die Cranach in diesem Zyklus oft an herausgehobene Stellen zwischen Himmel und Folterkammer setzt.)
Im Vordergrund des Bildes liegen die schlafenden Jünger, erstarrt wie die Steine und ihre Gewänder erscheinen mit ihnen verwachsen. (Noch eindrücklicher ist dies und anderes auf dem Holzschnitt von 1501 gestaltet.) Jesus bat seine Jünger mit ihm zu wachen; doch wie schwer ist es, ganz wach zu bleiben in der Angst und der Not eines anderen. Wie schwer ist es, wachsam auszuhalten und sich zu solidarisieren.
Ganz im Hintergrund des Bildes rücken die Soldaten mit Judas an. Einer von ihnen eilt als Späher voraus und erblickt Jesus. Die Fackel in der Hand eines anderen Soldaten – obwohl sich diese Szene für den Künstler am Tag oder höchstens in der Dämmerung ereignet – die Fackel am Tage zeigt an, daß die Mächte der Dunkelheit nun im Vormarsch sind.
erstellt von Mathias Wolf am 12.02.2015, zuletzt bearbeitet am 13.02.2015
veröffentlicht unter: Passionsandachten zu Holzschnitten von Lucas Cranach

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