Sie ist dann mal weg.

16.45 Uhr

Podiumsdiskussion

Amtssaal der Amtsverwaltung Gransee

Wie selbstverständlich ist die Kirche in unseren Dörfern und Städten?

Dorf und Kirche gehören zusammen. Also lassen wir die Kirche doch mal lieber im Dorf. Das war schon immer so. Selbstverständlich. Und so wird es auch bleiben. Allein die Frage: „Was wäre denn, wenn sie mal weg wäre?“, setzt häufig ungläubiges Staunen frei. Dabei ist das „Wäre-wenn“ bereits vielfach gelebte Realität. Denn manch eine wurde verkauft, andere stehen leer oder werden nur selten genutzt. Aber solange der Kirchturm am Horizont aus der weiten Ferne grüßt, scheint die Welt ja eigentlich noch in Ordnung – ?

Solange der Kirchturm noch grüßt

Doch so einfach ist es leider nicht. In vielen Dörfern geht gerade etwas verloren. In dem einen vielleicht etwas schneller, in anderen eher langsam: Was genau es ist oder war? Sicher erfahren wird man’s erst hinterher, mit zeitlichen Abstand. Wenn man zurückblickt und eine Leerstelle sieht. – Es wollen ja immer weniger “Kirche” sein.
Denn, bleiben wir bei “der Kirche” – in den meisten Dörfern gibt es sie ja noch – meinen wir in der Regel das Bauwerk. Gehen wir aber ein Stück zurück in die Vergangenheit. Da sprach man von „Kirche“ als Gebäude und Gemeinde gleichermaßen. Und als die Dörfer wuchsen und immer mehr Menschen an den damals üblichen Prozessionen teilnahmen, wurde so manches Dorf zu klein. Also zog man weiter hinaus und um das Dorf herum, was aber einigen nicht passte. Vielleicht fanden sie es übertrieben oder angeberisch, möglicherweise auch überflüssig und umständlich. Jedenfalls mahnten sie, man solle doch “die Kirche “im Dorf lassen“ und nicht “mit der Kirche ums Dorf laufen.”

Lassen wir die Kirche doch mal im Dorf

Eine zweite Gelegenheit zur Mahnung, die Kirche im Dorf zu belassen, ergab sich im Mittelalter, als die Städte wuchsen und eigene Kirchen oder Kathedralen bauten. Die Stadtgemeinden wollten sich von den Dorfpfarreien abkapseln. Für die Dörfer bedeutete das, Macht und Geld zu verlieren. Eine gute Idee war das noch nie. Da wollte man natürlich auch lieber „die Kirche im Dorf lassen“. Das klingt jetzt vielleicht gar nicht so sehr nach Vergangenheit.
Heute aber, da scheint es manchmal, als sprächen wir von Kirche und Kirchengemeinde wie von Zweien, die einander etwas fremd geworden sind. Denn die Kirche als Haus und die Gemeinde als eine Gruppe von Menschen, das sind für uns schon rein funktional zwei völlig verschiedene Dinge oder Wesen. Eine Pfarrerin oder Pfarrer hat schnell mal ein Dutzend Gemeinden (also Gruppen von Menschen) zu betreuen. Oder wenn sich die Gemeinden zusammenschließen, kann eine Gemeinde durchaus ein halbes Dutzend Kirchen und mehr “zu bewirtschaften” haben.

Die Kirche als Gebäude ist nur ein Teil vom Ganzen

Da sprechen wir von der Kirche, die baufällig ist, ein Sanierungsfall, der unter Denkmalschutz steht. Wir meinen damit aber nur die Hülle für das, was eigentlich “die Kirche” als Ganzes ist. Nach alter Handwerksmanier wird das Gebäude im Originalzustand wieder hergerichtet.
Natürlich ist das ein großer Grund zur Freude. Die vielen schmucken sanierten Kirchen in unseren Dörfern machen Hoffnung und Mut. Sie zeugen von einem gewissen Wohlstand. Wir können uns das leisten, auch wenn es sehr sehr viel Geld kostet. Aber was wird aus der Kirche, wenn die Gemeinde verschwindet? Oder: Wie können wir verhindern, dass die Gemeinde verschwindet? Diese Fragen sollten wir stellen und nach Antworten suchen.
In unserer Diskussionsrunde zum Kreiskirchentag wollen wir von einigen Beispielen und Projekten aus unserer Region hören, deren gemeinsames Ziel es ist, dass Kirche und Menschen im Dorf zusammenbleiben.
Das soll uns Mut machen, einfach mal was auszuprobieren, sich anstecken zu lassen und eigene Ideen zu entwickeln. Was daraus wird? Meist wird man es erst hinterher, im zeitlichen Abstand erfahren. Der Kirche im Dorf eine Chance zu geben, ist mit Sicherheit eine der besten Ideen, in die wir heute investieren können, damit sie so selbstverständlich bleibt, wie heute der Kirchturm in der Ferne, der uns den Weg weist.

16:45 Uhr | Podiumsdiskussion, Amtssaal im Amtsgebäude Gransee

Unsere Gäste sind:

Helmut Theo Herbert
Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk lebendige Dörfer e.V., Netzwerk Hoher Fläming
Ortsvorsteher von Lühsdorf (Treuenbrietzen), ehrenamtlicher Landessynodaler der EKBO

Matthias Holland
Vorsitzender des “Fördervereins Kultur- und Kinderkirche Eichstädt e.V.”

Pfarrerin Christine Rosin
Pfarrsprengel Herzfelde (Templin) | “Lesekiste Herzfelde”

Pfarrer Ralf Schwieger
Pfarrsprengel Friedrichswalde | NABU-Kirche Neu Temmen,
Konzertkirche Glambeck, Motorrad- & Eventkirche Friedrichswalde